3. Education-Projekt des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt: Brundibar

Zum dritten Mal bereitet das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt ein Education-Projekt vor.
Nach den Projekten »Liebe. Heimat. Tod?« von Helmut Oehring (2009) und der Kinderoper »Noahs Flut« von Benjamin Britten (2010) ist das 3. Education-Projekt (Premiere 8. Mai 2011) die Kinderoper »Brundibar« des tschechischen Komponisten Hans Krasa.

Hans Krása wurde am 30. November 1899 in einer tschechisch-deutschen Familie geboren. Er studierte Musik an der Deutschen Akademie für Musik und darstellende Kunst in Prag. Seine 1938 entstandene Kinderoper Brundibár war das letzte Werk, das er in Freiheit beenden konnte, bevor die Nazitruppen seine Heimat besetzten. 1942 wurde Krása nach Theresienstadt deportiert. Im dortigen Ghetto wurde Brundibár fünfzigmal offiziell gespielt und unzählige Male inoffiziell - auf den Gängen der Wohnbaracken und in Hofecken. Das deutsche Lagerkommando wählte die Oper als Beweis des »schönen Lebens« im »Kurort Theresienstadt« für die Inspektion des Internationalen Roten Kreuzes am 23. Juni 1944. Goebbels ordnete an, das »Theresienstädter Paradies« zu filmen. Im Film »Der Führer schenkt den Juden eine Stadt«, den der Regisseur Kurt Gerron zu drehen gezwungen wurde, fehlte auch Brundibár nicht. Der Film - eine heimtückische nazistische Propaganda - hat allerdings auch für alle Zeiten die Theresienstädter Märtyrerkinder festgehalten, die das Finale der Oper singen - ihr Lied des Sieges. Hans Krása wurde 1944 nach Ausschwitz deportiert und dort ermordet.

Über das Überleben in Theresienstadt berichtete Paul Aron Sandfort: »Ich kam in ein Jugendheim, wo 30-40 Jungen in einem Zimmer wohnten, es hieß L414. Dort schliefen wir in Etagenbetten, ich lag im mittleren Bett auf zwei Strohmatten und hatte eine schwarze Decke über mir. Jetzt denke ich daran, daß ich der einzige aus dem Zimmer bin, der lebendig aus dem Krieg herauskam, denn die anderen sind zwar aus Theresienstadt herausgekommen, aber nicht nach Palästina, sondern sie sind nach Auschwitz verschickt worden.« Und über Krásas Kinderoper: »Damals war Brundibar für uns ein Traum, der lebendiger war als das Leiden des Alltags in Terezin, ein Licht im Dunkel der Gefangenschaft, ein Hoffnungsschimmer, der über den Stacheldraht hinaus in das freie Leben gelangte.«

Die Oper Brundibár hat eine schlichte »Gut/Böse«-Geschichte zum Inhalt: Geschildert wird der Kampf zweier Kinder, die Geld brauchen, um für ihre kranke Mutter Milch zu kaufen. Sie schaffen es nach manchen Schwierigkeiten - mit Hilfe anderer. Motto: Man kann Schwierigkeiten überwinden, wenn man zusammenhält.

Die Oper dauert nur 35 Minuten. Davor wird es einen zweiten Teil geben, der scheinbar nichts mit der Oper zu tun hat: Ein deutsch-polnischer Kinderchor des Gymnasiums Neuzelle wird jiddische Lieder singen. Das Projekt »Sing Jiddish« wird einstudiert von Bente Kahan, Leiterin des jüdischen Kulturzentrums in Breslau. Bente Kahan ist außerdem auch Regisseurin von »Brundibar«.

Ziel des Projektes ist es nicht vordringlich, dass sich die Kinder mit dem Thema Holocaust beschäftigen. Wir wollen mit deutschen und polnischen Kindern beide Teil-Projekte erarbeiten, wobei die Kinder sich in Diskussions-, Schreib- und Mal-Workshops im Vorfeld der Erarbeitung diesem schwierigen Thema nähern sollen. Dabei soll erreicht werden, dass sich die Kinder - ohne »moralischen Zeigefinger« - mit den Aspekten Toleranz / Anderssein / Fremde Kulturen auseinandersetzen.

Teilnehmer des Projektes werden deutsche und polnische Kinder im Alter von 7 - 18 Jahren (Brundibar) bzw. 12 - 13 Jahren (»Sing jiddish«) sein.

Die Vorbereitungen des Projektes laufen seit dem Sommer 2010.
Der erste Workshop des Projektes »Sing Jiddish« unter der Leitung von Bente Kahan lief vom 22. - 25. November im Gymnasium Neuzelle.

Sponsorpartner des Projektes sind:

 

Sparkasse Oder-Spree
PwC-Stiftung
 

Stiftung Genshagen
Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
 
 

 
 
 

VORGESTELLT



Matthias Buchheim

Matthias Buchheim wurde in Neustrelitz geboren. Von 1984-88 studierte er Schlagzeug an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin bei Hans-Hürgen Lüdecke und Rudi Liebetrau. Er ging nach ... mehr »
 


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